Diese Anwendung der Systemischen Klopfakupressur zeigt, in welcher Weise transgenerational übertragene Ängste die Grundlage für aktuelle Symptome sein können.

Ausgangslage

Die Klientin, Mitte 50, wurde nach Burnout früh berentet. Zuvor hatte sie als Krankenschwester gearbeitet. Vor der hier beschriebenen Sitzung hatten schon mehrfach miteinander geklopft. Bei einer Entzündung am Auge war kürzlich ein Tumor gefunden worden, der nach den bisherigen Untersuchungen sehr wahrscheinlich gutartig ist.

Bearbeitung

Die Klientin hatte große Angst vor den Ergebnissen der Untersuchungen und erzählte mir, dass sie ihr Leben lang jegliche ärztliche Untersuchung vermieden hatte. Ihre Angst war, dass etwas Lebensbedrohliches festgestellt werden könnte. Das hat sie auch in ihrer Arbeit belastet. Wir begannen diese Angst zu beklopfen:

Auch wenn ich diese Angst vor Untersuchungsergebnisse habe - ich bin ok wie ich bin.

Die Klientin sagte an dieser Stelle, dass es auch um Hoffnungslosigkeit gehe. Wir klopften dann:

Auch wenn ich diese Angst vor Untersuchungsergebnissen habe und es sich so hoffnungslos anfühlt - ich bin ok wie ich bin.

Da der sich der Fortschritt bisher in Grenzen hielt, konnte eine verbindende belastente Emotion vermutet werden. Um dies zu testen und ggf. gleich zu behandeln, habe ich den Satz wie folgt systemisch erweitert:

Auch wenn wir diese Angst vor den Untersuchungsergebnissen haben und es sich so hoffungslos anfühlt- wir sind ok, wie wir sind.

Ich lade alle ein, die ebenfalls diese Angst und Hoffnungslosigkeit verspüren, diese jetzt mit mir zu klopfen - und unsere Verbundenheit bleibt bestehen.

Ich ließ die Klientin eine Runde klopfen und fragte dann, was sie wahrnehme. Sie erzählte, dass sie ihren Vater und seine Verwandtschaft, hauptsächlich seine Mutter sehen würde. In der Familie war es üblich, die Wahrheit totzuschweigen.

Diese Angst vor der Wahrheit fassten wir als schützende Intention auf und bearbeiteten sie mit der mit der Wächter-Beschützer Technik:

Lieber Wächter, wir danken Dir für das, was Du für uns alle getan hast, Du hast uns alle geschützt, diese Wahrheiten zu erfahren – und unsere Verbundenheit bleibt so oder so bestehen.

Der Wächter wurde damit gewürdigt und der Weg für die weitere Bearbeitung wurde frei:

Ich bin die Erste die klopft, bitte seid mit mir, wenn ich das jetzt nicht nur für mich, sondern für uns alle tue.

Wir wollen alle dasselbe, wir wollen uns frei von der Belastung der Angst vor der Wahrheit fühlen können.

Ich fragte dann, ob die Wahrheit das Ende der Hoffnung sei. Diese Frage löste eine heftige Reaktion aus. Der Opa der Klientin war im Krieg verschollen und ist nie zurückgekommen. Die Oma hatte bis zuletzt Angst davor, bestätigt zu bekommen, dass ihr Mann gefallen war. Mit dieser Angst war auch der Vater meiner Klientin aufgewachsen. Mit der Wahrheit hätten die Oma und der Vater der Klientin ihre Hoffnung verloren, dass der Mann doch noch lebt!

Als dieser Zusammenhang einmal erkannt und der Wächter miteinbezogen war, konnten wir alle noch aufkommenden Gefühle von Angst, Trauer und Überforderung in wenigen Runden mit Hilfe des Wir-Klopfens gut auflösen mit Sätzen wie:

Unsere Angst / Trauer / Überforderung – und wir sind ok wie wir sind und unsere Verbundenheit bleibt so oder so bestehen.

Reflektion

In dieser Sitzung ist mir wieder klar geworden, dass ganz verständliche, aktuelle Emotionen und Belastungen völlig andere Hintergründe haben können und dann lediglich Trigger sind. Das zeigt sich darin, dass die Emotionen nur schwer und langsam zu bearbeiten sind. Ich habe gelernt, wie wichtig es im Vorgespräch ist, möglichst auch viel von den Großeltern zu erfahren. Bei transgenerativen Belastungen gibt es oft eine Symptomverschiebung, wie bei meiner Klientin deutlich zu sehen ist.

Mich hat diese Sitzung berührt und beeindruckt, denn die Klientin konnte mir auch das Feedback geben, dass sie ihre Untersuchungen jetzt mit gutem Gefühl durchführen lassen konnte.