Wenn der Klient nichts zu fühlen scheint.

Es gibt Klienten, die scheinbar völlig emotionslos oder sogar mit einem Lächeln im Gesicht von belastenden Ereignissen oder Themen erzählen. Das klassische Einwerten auf der SUD Skala ergibt den Wert Null, da kein momentaner Belastungswert gefühlt wird (bzw. werden kann).

Dennoch kann auch in solchen Fällen mit Klopfakupressur gearbeitet werden. Hierzu bieten sich mehrere Arten der Bearbeitung an.

Gary Craig schlägt folgende beiden Vorgehensweisen vor:

1) Bearbeitung eines Ereignisses oder Themas ohne Einwertung

  • Der Klient wird gebeten, auf das Ereignis/Thema zu fokussieren, auch wenn er dabei keine emotionale Belastung spüren kann.

  • Der Klient wird nach einem Bild (Metapher) zu dem Ereignis/Thema gefragt. Wird ein Bild gefunden, kann weiter nach Submodalitäten gefragt werden:

    Ist das Bild

    • in Farbe oder schwarzweiß?
    • nah oder fern?
    • scharf oder unscharf?
    • hell oder dunkel?

    Ebenfalls hilfreich kann die Frage sein, wie der Klient zum Bild steht:

    Bist du mit im Bild oder außerhalb?

    Diese bildhaften Beschreibungen enthalten oft Auskunft über die Intensität, die nicht emotionale bzw. körperlich gespürt werden kann. Dabei steht in der Regel Farbe für eine größere Intensität als schwarzweiß etc.

  • Das Basisprotokoll wird mehrmals durchlaufen. Hierbei liegt die Annahme zugrunde, dass die Belastung im Hintergrund dennoch angesprochen wird und durch das Klopfen geringer.

  • Eine weitere Frage zur Intensivierung kann sein:

    Wenn du an das Ereignis/Thema denkst, kannst du in deinem Körper ein Gefühl dazu entdecken?

    Die sich an dieser Stelle (oder von allein im Prozessverlauf) zeigenden Körpergefühle können z.B. mit der Technik Den Schmerz verfolgen bearbeitet werden.
  • Da ein Test aus den bekannten Gründen nicht möglich ist, wird der Klient ggf. den Erfolg der Arbeit an einem entspannteren Erleben entsprechender Situationen im Alltag erkennen.

2) Bearbeitung bei diffuser Unzufriedenheit mit sich und dem Leben

Manche Klienten können weder Ereignisse noch konktrete Themen benennen, geschweige denn eine dazugehörige Belastung einwerten.

  • Finde das Thema. Folgende Frage kann dafür hilfreich sein:

    Welches Erlebnis/Thema würdest du lieber nicht in deinem Leben haben?

  • Das gefundene Ereignis/Thema wird unter Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte wie unter 1) beschrieben bearbeitet.

  • In einer Folgesitzung kann - als Test - die gleiche Frage noch einmal gestellt werden:

    Welches Erlebnis /Thema würdest du lieber nicht in deinem Leben haben?

    Wenn die Bearbeitung des erstgenannten Themas erfolgreich war, dann wird jetzt wahrscheinlich ein anderes Thema genannt.

 

Weitere Bearbeitungsmöglichkeiten

Bringt die Bearbeitung wie oben beschrieben keinen nenneswerten Fortschritt, gilt es, die Bedeutung des "Nicht-Fühlens" genauer zu erforschen.

Diese vom Klienten selbständig aufgebaute Distanzierung von emotionaler Belastung erfüllt wahrscheinlich eine wichtige Schutzfunktion. Ähnliche Schutzfunktionen werden auch vom Coach gezielt eingesetzt, wie z. B. im Artikel über die Erzählende Filmtechnik beschrieben:

Eine Distanzierung(stechnnik) ist wie eine emotionale Schutzbrille für den Klienten.

Die durch das "Nicht-Fühlen" umgesetzte schützende Intention kann aus gutem Grund nicht einfach aufgegeben werden.

In der Systemischen Klopfakupressur werden schützende Intentionen gewürdigt und in die Arbeit miteinbezogen. Eine ausführliche Beschreibung hierzu findest du in dem Artikel zur Wächter/Beschützer Technik.

Das KLOPF-Tutorial beschreibt den Methoden-Standard nach Verband für Klopfakupressur e. V. mit Stand 2017.

Diese Seite wird nicht mehr weiter aktualisiert, da es seit 2020 mit der von Ronald Hindmarsh initiierten Emotionalen Selbstbefreiung /Strukturellen Klopfakupressur einen in wesentlichen Punkten weiterentwickelten Ansatz gibt.

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