Dieses kommentierte Audio-Fallbeispiel einer Online-Video-Sitzung mit Systemischer Klopfakupressur dokumentiert die Bearbeitung transgenerationaler Belastungen, wie sie etwa für "Kriegsenkel" und "Nachkriegskinder" typisch sind.

Dokumentiert wird die zweite Sitzung mit Brigitte (59, im Folgenden als "Kapitänin" bezeichnet), die sich mehr Leichtigkeit und Veränderungsfähigkeit wünscht. Beispielsweise möchte sie schon seit mehreren Jahren umziehen, hat es aber trotz großer mentaler Anstrenungen bisher nicht geschafft, sich wirklich aufzuraffen.

In unserer ersten Sitzung vor drei Wochen haben wir eine Emotional-Systemische Anamnese durchgeführt und bereits einige mit dem Vater verbindende belastende Emotionen mit Systemischer Klopfakupressur bearbeitet.

Wir setzten ein bei ihrem Bericht über die Veränderungen nach der ersten Sitzung, die eine Woche vorher stattgefunden hat. Ich bitte, die stellenweise suboptimale Audio-Qualität zu entschuldigen.

Themenverzeichnis

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Zur Markierung springen 00:01 Beobachtete Veränderungen nach der ersten Sitzung:

  • Ich habe zum ersten Mal Lust auf eine neue Wohnung
  • Dass ich überhaupt dieses Gefühl hab von - oh was Neues - das fühlt sich gut an

Gleich am Anfang, wie auch mehrfach an anderen Stellen, fällt mir beim Hören der Aufnahme ein etwas "flapsiger" Tonfall meinerseits auf. Ein Blick auf die (hier nicht veröffentliche) Videoaufnahme und der weitere Verlauf der Sitzung zeigen aber, unser Rapport nicht darunter leidet.

Zur Markierung springen 01:14 Erkennung einer verbindenden belastenden Emotion: Anlässlich des Todes ihrer Tante vor gut zwei Wochen kam in ihr einiges hoch. Das Familiensystem der Kapitänin fühlt sich im Zusammenhang mit Kriegsfolgen (ausgebombt) "traumatisch erstarrt" an, nach "das Leben verhindern". Sie nimmt deutliche emotionale Parallelen zwischen ihren Familienmitgliedern und sich selbst beim Thema "Lebendigkeit" wahr. Ich hinterfrage das nicht, denn ob diese Parallele objektiv wahr ist oder nicht, spielt keine Rolle: Wir arbeiten mit dem, was die Kapitänin wahr-nimmt.

Zur Markierung springen 07:27 Herausarbeitung und Differenzierung von subjektiven Aspekten und Protagonisten: Wir klären, ob dies bereits in der letzten Sitzung Thema war, in der wir mit der Mutter-Linie gearbeitet haben. Offenbar kommen die Belastungen diesmal aber um die Linie des Vaters, die wir in der ersten Sitzung bereits als Genogramm aufgenommen haben. Es gibt eine "Zweck-Heirat" im Zusammenhang mit Kriegsfolgen sowie mehrere tote Familienmitglieder, die als multiple Traumatisierungen im Familiensystem wirken. Das hochgradige Maß transgenerationaler emotionaler Belastung wird für mich nicht nur anhand der Fakten, sondern auch durch die Erzählweise der Kapitänin wahrnehmbar. Überdies wird evident, dass wenn über die Mutter- und Vater-Line ähnliche emotionale Belastungen wirken, diese möglichst auch über beide Seiten systemisch bearbeitet werden sollten. Es geht nicht allein um subjektive emotionale Aspekte, sondern auch (und gerade) um ihre mit Protagonisten verbindende Wirkung.

Zur Markierung springen 09:18 Vorbereitung des Klopfens: Die Kapitänin steigt tiefer in das Thema ein und gibt noch weitere Detail-Informationen. Dabei achte ich darauf, dass sie trotz der ansteigenden emotionalen Belastung nicht in ein emotionales Loch fällt, sondern ihre Motivation behält, das Thema nun für alle und mit allen im System zu lösen. Dies ist sehr wichtig, denn der Plan, jetzt endlich für alle - inklusive sich selbst - ruhiges Fahrwasser anzusteuern gibt der Kapitänin die Kraft, die sie für die Konfrontation mit derart heftigen emotionalen Belastungen braucht.

Zur Markierung springen 13:40 Beginn des Klopfens: Nachdem sie das Thema mit "Schwere" kurz und mit hoher emotionaler Beteiligung benennt, ermutige ich sie, nun zu klopfen. Ich nutze hier die ihr bereits vertraute Coaching-Trias zur Prozessteuerung. Ich lasse der Kapitänin bewusst Freiraum bei der Formulierung von weiterführenden Sätzen.

Zur Markierung springen 14:22 Wächter-Beschützer Technik: Da die Kapitänin sehr lange gegen diese Schwere gekämpft und dazu begleitend identitätsstützende Ressourcen aufgebaut hat, beziehe ich die emotional gegen die Schwere schützende Intention als Beschützerin in die Arbeit mit ein.

Zur Markierung springen 15:30 "Das ist nicht OK" als Wächter: Nach einem Satz "Wir sind OK" sagt die Kapitänin: "Wobei ein Teil von mir sagt: Das ist nicht OK!". Es ist klar, dass hier die emotionale oder faktische Situation gemeint ist. Ich interpretiere das weitere schützende Intention und beziehe sie als Wächter mit ein.

Zur Markierung springen 16:36 Erste Erleichterung: Nachdem sich eine emotionale Erleichterung abzeichnet, erfrage ich die aktuelle Befindlichkeit mit "Was nimmst Du wahr?". Die Kapitänin antwortet:

  • Au, das ist gut, ich merke, ich hatte bisher immer sowas, das bin ich, ich hab mir das immer gemacht, dass ich diese Schwere hab. Aber jetzt auf einmal merke ich, das bin ich gar nicht!

Die Kapitänin bestätigt damit meine Beobachtung (und Vorannahme der Coaching-Trias), dass das eigentliche Thema gewöhnlich aus dem System kommt.

Zur Markierung springen 16:55 Erweiterung über die Systemischen Ebenen: Ich beziehe die Beschützerinnen (ich unterstelle hier ungefragt die Weiblichkeit aufgrund von Erkenntnissen aus der Emotional-Systemischen Anamnese) sowie die im Mentalen Raum wahrgenommenen Protagonisten mit ein. Dabei gehen wir über die Sytemischen Ebenen vor, um weitere Protagonisten und Gruppen mitzunehmen.

Zur Markierung springen 17:26 Wächter-Klopfen (alte Version): Ich nutzte hier noch die (externierende) Personalisierung, vermutlich braucht deshalb die Würdigung relativ lange. Ich merke, dass es nicht ganz leicht fällt und nehme intuitiv bereits Elemente der kurze Zeit später eingeführten (integrierenden) Wächter-Beschützer Technik vorweg. Mit der neuen Wächter-Beschützer Technik wäre die Würdigung wohl deutlich effizienter gewesen.

Zur Markierung springen 19:27 Weitere Erleichterung und Ermutigung: Auf die Frage "Was nimmst Du wahr?" antwortet die Kapitänin jetzt:

  • Dass ich wieder aufrechter bin, als gäbe es in mir einen Teil, der ganz stark ist.

Ich interpretiere diese Stärke als Erbe des Systems und unterstütze damit sowohl die Kapitänin selbst als auch das Gefühl der im letztendlichen Grunde emotional positiv besetzten Verbundenheit mit dem System und der Welt. Diese Grundannahme der Systemischen Klopfakupressur mag - von außen betrachtet - vielleicht als zweckdienliche Suggestion aufgefasst werden. Für mich ist es zu einer tiefen, authentischen Überzeugung geworden, gewonnen aus der jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit Klienten.

Zur Markierung springen 20:33 Zweite Erweiterung über die Systemischen Ebenen: Mit dem Satz "Ich bin der überlebende Teil von Euch" betonen wir die Verbundenheit und geben dieses Gefühl sowie eine Einladung zu einer gemeinsamen emotionalen Befreiung in den Mentalen Raum.

Zur Markierung springen 21:42 Ein Mann-Frau-Thema zeichnet sich ab: Eine Wahrnehmung der Klientin: "... als würden die Männer vorne stehen und die Frauen dahinter". Hier kann man beobachten, wieviel authentische und thematisch relevante Information in den wahrgenommenen Bildern steckt. Alles, was hochkommt, ist wichtig!

Zur Markierung springen 23:40 Schockstarre und Trauer: Wir bearbeiten das systemisch unter Einbeziehung der "Täter". Die Verbundenheit besteht hier auf "einer höheren Ebene", um sich nun endlich über alle im Gruppen-Feindschaften im Mentalen Raum zugunsten einer von allen Beteiligten eigentlich gewollten menschlichen Verbundenheit (Grundannahme!) zu erheben. Schuldgefühle kommen in solchen Situation standardmäßig fast zwangsläufig mit hinein, also gebe ich einen entsprechenden Satz vor. Die Kapitänin bestätigt sofort: "Das hatte ich auch gerade". Im weiteren Verlauf kommt noch Angst, die wir entsprechend klopfen.

Zur Markierung springen 26:35 Entsetzen bei den Frauen als neuer Aspekt: Hier kommt das Männer-Frauen-Thema konkret hoch. Wie immer erfolgt die Bearbeitung von beiden Seiten, nachdem ich die (vorher) verletzte Würde der Männer zusammen mit der Sehnsucht nach Würde bei den Frauen klopfe. Hohe emotionale Beteiligung.

Zur Markierung springen 29:45 Einflüsse aus dem ersten Weltkrieg: Angestoßen durch das Thema Würde kommen durch den Vater die Themen "Härte und Unerbittlichkeit, existentielle Angst" hoch. Die Kapitänin erklärt, wie die Not im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg herrschte und die individuellen Folgen. Wir klopfen wieder, wegen der Betroffenheit Aller selbstverständlich systemisch. Ihre hohe emotionale Beteiligung zeigt, wie ungeheuer stark diese transgenerationalen Einflüsse wirksam sind, was nach meiner Beobachtung die Regel ist!.

Zur Markierung springen 33:05 Menschliche Verbundenheit als Ressource: An dieser Stelle nutze ich die von der Kapitänin bestätigte Einsicht in eine bestehende "höhere Verbundenheit" zwischen Menschen, um sich selbst zu erlauben, jetzt durch Klopfen für sich selbst etwas Gutes nicht nur für sich selbst, sondern für alle zu tun.

Zur Markierung springen 35:10 Der nicht mitmachende Soldat: Ein für Kriegsszenarien absolut typisches Bild taucht auf: Ein Soldat kann (aus Loyalität zu seinen Kameraden!) einfach nicht mitmachen. Nach Würdigung seines Nicht-Mitmachens erweitern wir systemisch auf seine Kameraden usw.

Zur Markierung springen 38:20 Vater als kleiner Junge, verloren und einsam: Hier folgt eine Sequenz, die ein Stück weit an die Methode "Matrix Reimprinting" erinnern dürfte. Die Klopfsequenz erfolgt jedoch über Wir-Klopfen, d.h. es wird nicht die Angst des Jungen allein, sondern die gemeinsame (verbindende) Angst geklopft. Weiterhin wird die Einsamkeit im Umfeld des Jungen durch systemische Erweiterung miteinbezogen. Einmal mehr offenbart sich die Macht des transgenerationaler Traumatisierung, die auch mich als Lotsen mitnimmt. Meine Erfahrung und feste Überzeugung, solche heftigen Belastungen systemisch bearbeiten und auch auflösen zu können, ist hier eine wichtige Ressource für mich.

Zur Markierung springen 44:00 Verbindende und selbststabilisierende Wirkung von Traumata: Während der (fast fertigen) Bearbeitung des Bildes schildert die Kapitänin ihre Wahrnehmung der verbindenden Wirkung der Traumata, die wiederum die Traumata selbst stabilisiert ("Erstarrung").

Zur Markierung springen 47:38 Kriegsgefangenschaft des Vaters: Nächster Aspekt, was bedeutet, dass wir den vorherigen wahrscheinlich auflösen konnten. Wieder eine "Kriegs-Standardsituation", uns bleibt aber auch gar nichts erspart! Die Lösung erfolgt wieder systemisch durch Einbeziehung der Wärter, denen es kaum besser ging als den Gefangenen, sowie der Politiker, die das alles veranlasst haben. Ich gehe auf aufkommende Einzelaspekte bewusst nicht ein, da der größere Rahmen all diese Aspekte letztlich produziert hat. In der Systemischen Klopfakupressur konzentrieren wir uns auf das Wesentliche, respektive den Rahmen und das Wir.

Zur Markierung springen 54:00 Arbeit mit Toten: Hier ist das Ende des Eingangssatzes wichtig "Unsere Verbundenheit bleibt bestehen ... auch über den Tod hinaus!". Meine Beobachtung ist, dass mit diesem und ähnlichen Sätzen in sehr vielen Fällen Traurigkeit / Trauerarbeit sehr effizient und zugleich nachhaltig gestaltet werden kann.

Zur Markierung springen 58:30 Traurigkeit, das wir das Leben nicht so leben konnten: Das ist ein wichitger Aspekt, der häufig auch nach einer erfolgreichen Bearbeitung als systemische Folge-Belastung hochkommt. Das "ab jetzt!" in den Formulierungen ist entscheidend, um auf die (bessere) Zukunft zu fokussieren und das Bisherige nun hinter sich lassen zu können. Gleichzeitig wird der Junge ermutigt und aufgebaut, um bei diesem Unternehmen mit an Bord zu sein. Wir halten hier einen Moment inne, bis es auf einmal aufgeht.

Zur Markierung springen 62:36 Es geht auf: Die Atmosphäre der Belastung löst sich. Hier werden wir langsamer, um alles Neue mitzubekommen und die nächsten Aspekte auf den Schirm zu bekommen. Und tatsächlich...

Zur Markierung springen 63:32 Es geht wieder zu - weitere Aspekte zeigen sich: Durch die Einbeziehung des Jungen in ein Wir-Klopfen werden die weiter in der Vergangenheit liegenden Protagonisten und Belastungen fokussiert und beklopft. Ich entlaste die Kapitänin, die Protagonisten selbst zu suchen, das macht der Junge. Mit dieser Metapher wird das Unterbewusste angesprochen und für die Auflösung genutzt.

Zur Markierung springen 67:30 Weitere Frauen tauchen auf: Wir weiten den Blick und versuchen, alle "auf dem Schiff mitzunehmen". Das misslingt zunächst, die Worte sind "wie von einem anderen Planeten". Dies ist ein Hinweis, dass systemisch erweitert werden muss, da die Personen "im (kollektiven!) Trauma gefangen" sind. 

Zur Markierung springen 69:55 Systemische Erweiterung um diejenigen, vor denen geflohen wird: "Ihr alle außen um uns herum, ihr von den anderen Seiten, bitte seid jetzt auch mit uns...". Annahme ist, dass letztlich alle in Angst sind, über alle Grenzen hinweg. Hier kommen noch einmal alle wesentlichen und bekannten Sätze.

Zur Markierung springen 74:21 Beginn der Bewegung, Einbeziehung der 6. Systemischen Ebene: Es beweght sich, jedoch fehlt offenbar eine "gottgegebene Erlaubnis". An dieser Stelle erzähle ich einen kleine Geschichte über ein "biblisches Missverständnis", das die 10 Gebote nicht als Regeln, sondern als Beschreibung eines Erleuchtungszustandes darstellt. Es wird eine Zustimmung "von ganz oben", entsprechend der 6. Systemischen Ebene eingeholt und über alle (als Wertegemeinschaften systemische eine Ebene darunter eingeordneten) Religionsgemeinschaften vorgegangen. Klingt weltbewegend, ist aber einmal mehr nichts anderes als die Arbeit mit den Wahrnehmungen des Klienten. Dass es hier (wie in 95% aller vergleichbaren Fälle) eine sofortige Zustimmung von "ganz oben" gibt, verstehe ich als Indiz dafür, dass in uns Menschen das Bedürfnis nach Verbundenheit instinktiv verankert ist. Dies impliziert zugleich, dass Abgrenzung im Kern gegen die Natur des Menschen ist und dass ein Bedürfnis nach Abgrenzung aus belastenden Emotionen heraus geschieht.

Zur Markierung springen 79:05 Die Menschen richten sich auf und werden lebendig: Hier zeigt sich, wie tief das Thema der Kapitänin (Lebendigkeit) im System verwurzelt war. Die Aufrichtung der Menschen verstehen wir als Metapher für eine "kollektive emotionale Befreiung", die ab jetzt von der Kapitänin ohne die Gefahr der Loslösung vom System und zugleich stellvertretend für das System gelebt werden kann.

Zur Markierung springen 79:36 Stärkung der Nachhaltigkeit der Veränderung: Wir nehmen die Veränderung auf ("langsame Kraft voraus") und würdigen sie, indem wir allen Beteiligten danken. Die Veränderung wird hierdurch als Miteinander aller Betroffenen erlebt, nicht als Abschied aus dem System.

Zur Markierung springen 80:28 Bearbeitung der systemischen Folge-Belastung: Unmittelbar nach der Entmachtung eines alten systemischen Themas kommt neben der Erleichterung eine Traurigkeit darüber hoch, dass diese Befreiung erst jetzt geschehen ist. Wir klopfen, dass uns diese "Verspätung" leid tut und transformieren diese Traurigkeit in eine Art "jetzt erst recht". Das Auftreten der systemischen Folge-Belastung ist ein sicheres Zeichen, dass zuvor zentrale Aspekte aufgelöst werden konnten.

Zur Markierung springen 82:20 Protagonisten verbreiten die emotionale Befreiung weiter: Nach der Auflösung drehen sich die bisher beteiligten nach außen und "erzählen das weiter". Dies ist der Moment, wo die Befreiung eine Eigendynamik entwickelt, die ich gerne der Kapitänin überlasse. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch, wobei der kleine Junge (ihr Vater) sich sehr über die Entwicklung freut.

Zur Markierung springen 85:55 Eigendynamische Stärkung der emotionalen Befreiung: Der kleine Junge und die anderen Protagonisten treten als "Botschafter" der Auflösung auf. Hierdurch zeigt sich, dass die emotionale Freiheit sich im Prozess zu einer tiefen inneren Überzeugung entwickelt. Auch für mich ein emotionaler Moment, auch weil es so schnell und authentisch passiert.

Zur Markierung springen 87:40 Assoziation mit den befreiten Protagonisten: Das Bild, von der Komandobrücke zu gehen und unten bei der Gruppe zu sein zeigt noch einmal, dass die neue positive Einstellung systemisch positiv verankert ist.

Zur Markierung springen 87:57 Mit "sichtbar werden" kommt ein neuer Aspekt hoch: Hier zeigt sich, dass jedes Detail eines Bildes wichtige Information enthalten kann, die es sich lohnt, nachzufragen. Die Kleinheit der Kapitänin innerhalb der Gruppe im Vergleich zur Größe und Stärke auf der Kommandobrücke steht für den neuen Aspekt, der auf Nachfrage bewusst wird.

Zur Markierung springen 88:30 Nutzung des Bildes zur Auflösung des neuen Aspekts: Wir "gehen nochmal nach unten" um dort die Bearbeitung zu machen. Hier offenbart sich ein gefühlt lebensbedrohlicher Aspekt, verbunden mit einem "Schwur", den wir mit Wächter-Beschützer Technik und über die Systemischen Ebenen auflösen.

Zur Markierung springen 93:30 Auflösung eines Traumas über Körpergefühle: Bei näherem Hinsehen werden Symptome einer Dissoziation erkennbar, was uns zu einer dissoziierten Auflösung der traumatischen Belastung über die Körpergefühle veranlasst. Nach den Körpergefühlen zeigen sich auch Bilder, die wir ebenfalls miteinbeziehen. Die Einbeziehung der Protagonisten auf der anderen Seite ("Täter") ist hier entscheidend. Der Fortschritt zeigt sich u. a. dadurch, dass immer neue Bilder und Aspekte ("Ungerechtigkeit") hochkommen. Angesichts der vielen und heftigen Bilder und Gefühle motiviere ich zur Empathie und Akzeptanz, um das Wir-Klopfen mit den Tätern zu erleichtern. 

Zur Markierung springen 100:01 Wir-Klopfen mit Tätern und ihren Wächtern: Interessant ist, wie der eben noch zustechende Täter durch die Empathie "ins Wackeln kommt", die Empathie jedoch schwer fällt. Hier hilft die Differenzierung zwischen Täter (seinem Kern) und seinem Wächter, der eigentlich das Zustechen veranlasst hat. Der dahinter stehende Aspekt "Angst, zertstört zu werden" wird sichtbar und gemeinsam geklopft.

Zur Markierung springen 106:05 Verbundenheit auf einer höheren Ebene: Diese Fromulierung wähle ich, um direkt die Systemische Ebene 6 (menschliche Verbundenheit) anzusprechen. Gerade beim Wir-Klopfen mit verschiedenen Kriegsparteien geht es nur über diese Ebene, denn sie kennt keine Unterscheidung nach Gruppen, Nationen oder Wertegemeinschaften. Das Klopfen auf der Ebene menschlicher Verbundenheit über alle Grenzen hinweg bekommt schon fast den Charakter eines Gebets.

Zur Markierung springen 106:40 Wir wollen die sein (dürfen), die wir sind: Dieser nun sichtbar werdende Aspekt ist nach der Psycho-Logik der Systemischen Klopfakupressur grundlegend für Resilienz und Gesundheit: Das Gelingen der Verbindung von Identität und Zugehörigkeit. Hier anzukommmen bedeutet, dass wir die "Kaskade der Symptome und Belastungen" korrekt verfolgt haben. Die Bearbeitung ist sehr emotional und betrifft alle Beteiligten, und das sind Viele! Die Käpitänin kann nun durch ein Wir-Klopfen mit Allen selbst guten Gewissens entscheiden "das zu leben, was man ist, mit allem was man mitbekommen hat". Sie darf es leben, weil sie es mit allen und für alle (stellvertretend) tut. Damit wird die Verbundenheit erhalten und ab jetzt mit neuen, positiven Emotionen besetzt.

Zur Markierung springen 111:47 Körpergefühl nach der Auflösung: Mir fällt auf, dass die Kapitänin offenbar die wesentlichen Aspekte erfolgreich bearbeitet hat, aber ihre Stimme ist noch wackelig. An dieser Stelle gehen wir über Körpergefühle ("Nachbeben") vor: Das "scannen durch den Körper" deckt ein verbleibendes moderates Körpergefühl auf, die wir direkt beklopfen: "Rest des Drucks im Magen ..."

Zur Markierung springen 112:40 Weitere Ermutigung gegen Ende der Sitzung: Ich sehe uns kurz vor dem Ziel für diese Sitzung und bestärke die Kapitänin in ihrerer Arbeit, die sehr viel Energie gekostet haben dürfte. Zu diesem Zeitpunkt liegen schon fast zwei Stunden intensiver Arbeit hinter uns, was erfahrungsgemäß grenzwertig ist. Ich vergewissere mich, ob sie noch genug Energie hat. Bei deutlicheren Anzeichen von Erschöpfung hätte ich die weitere Bearbeitung an dieser Stelle wohl auf eine spätere Sitzung verschoben.

Zur Markierung springen 112:55 Eine letzte Folge-Belastung: Wir fragen nach einer Botschaft des Drucks im Magen. Es kommt "Ich könnt' euch alles vor die Füße kotzen", was wir als Folge-Belastung interpretieren und unter Verwendung der imaginären quantenphysikalischen Sonde klopfen. Das Klopfen differenziert ausdrücklich zwischen früher und "ab jetzt" und geht schnell. Ich lege der Kapitänin zur eigenen Entlastung nahe, der Transformation etwas Zeit zu geben. Das Auftreten von Folge-Belastungen und -Einwänden ist nach meiner Beobachtung ein sicheres Anzeichen dafür, dass wesentliche Belastungen erfolgreich bearbeit wurden.

Zur Markierung springen 114:55 Abschluss der Sitzung: Jetzt sind wirklich alle Kriterien für die Beendigung der Sitzung erfüllt: Kapitänin in gutem Zustand, Energie weitgehend aufgebraucht, wesentliche Belastungen bearbeitet, Folge-Belastung aufgetreten und bearbeitet, zwei Stunden Arbeit hinter uns. Ich gebe noch ein paar Hinweise und Tipps für die nächsten Tage ("Beipackzettel"). Wer hat sich alles verändert? Lass dich überraschen, was möglich wird! Ins Hier und Jetzt kommen! Eventuelle Belastungen nur stabilisierend beklopfen, ansonsten aufschreiben. Abschlussfrage: "Gibt es noch irgendetwas zu sagen oder zu fragen?" Sie wird verneint, also ist die Sitzung einvernehmlich beendet.

Wir sind gespannt, wie sich die emotionale Situation für die Kapitänin entwickeln wird und werden an dieser Stelle zu gegebener Zeit berichten.

Vielen Dank an Brigitte für ihr Einverständnis zur Veröffentlichung des Audio-Mitschnitts als Fallbeispiel im KLOPF-Tutorial!

Rückmeldung nach 4 Monaten

Anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung dieses Fallbeispiels hatte ich die Kapitänin gebeten, die Aufzeichnung noch einmal selbst anzuhören. Hier ihre Rückmeldungen:

Für mich selbst war es auch nochmal spannend, die Sitzung anzuhören, manches hatte ich schon komplett vergessen und am Ende hatte ich wieder ein deutliches Gefühl, wie rund sich damit alles anfühlt.

Ich habe gestern meinen Cousin väterlicherseits getroffen und ich habe dabei unseren Kontakt als entspannter und friedlicher wahrgenommen. Das führe ich auch auf die Sitzung und die Veränderungen dadurch zurück.